1875 – 1905: Eine Feuerwehr wird geboren

 

Nach ersten Bemühungen des königlich bayerischen Bezirksamtmannes Xaver Maier und aufgrund eines königlichen Ministerialentschlusses, dass auch in sämtlichen Landgemeinden ständig freiwillige oder Pflichtfeuerwehren zu gründen seien, entschlossen sich die Scheuringer Bürger unter ihrem damaligen Bürgermeister Wörle im Jahre 1875 eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen.

 

Zum ersten Vorstand wurde der Schuhmachermeister Josef Maisterl, zum ersten Hauptmann der Zimmermann Philipp Böck gewählt. Im September desselben Jahres wurde mit der Zusammenstellung einer Gruppe und der vorschriftsmäßigen Einübung begonnen. Im gleichen Jahr wurde auch von der Gemeinde eine Druckspritze beschafft, eine „Feuerlöschmaschine für Druck“, wie sie im alten Inventarverzeichnis bezeichnet wird.

 

Da zu jedem Verein auch eine Kasse gehört, wurde ein Kassier gewählt. Diesen Posten bekleidete erstmals Anton Baumüller, der gleichzeitig auch Schriftführer war. Wie der Chronist vermerkte, handelte es sich jedoch vorläufig nur um einen Titel ohne Mittel. Erst Ende des Jahres 1875 legte Pfarrer Kaspar Wolf den Grundstein zur Vereinskasse. Durch eine Schenkung aus der Bruderschaftsstiftung erhielt die Freiwillige Feuerwehr Scheuring 21 Gulden oder 36 Mark, da wie Pfarrer Wolf sagte, auch die Kirche einer Feuerwehr bedarf. Für diese Schenkung liegt noch heute die Quittung vor.

 

Da nun weitere Einnahmen nicht zu erwarten waren, kam man auf den Gedanken, Ehrenmitglieder in die Feuerwehr aufzunehmen, welche die Kasse mit Spenden unterstützen sollten. Da sich aber niemand fand, beschloss man, das sich Ehrenmitglieder aus den Aktiven melden könnten, zu einem Quartalsbeitrag von 50 Pfennig. Außerdem mussten Aktive, die unentschuldigt einer Übung fernblieben, 50 Pfennig Strafgeld in die Vereinskasse einbezahlen. Im Jahre 1880 musste ein Joseph Bergmann sogar 20 Mark Strafgeld für eine Ehrenbeleidigung in die Vereinskasse bezahlen. Wen er damals beleidigte, ist leider nicht vermerkt.

 

Auch die ersten Ausgaben der Vereinskasse sind aufgezeichnet. Im Jahre 1876 wurden dem Bauer Philipp Böck für einen Gang nach Landsberg 2,57 Mark ausbezahlt. In Winkl wurde nach einer „Feuersbrunst“ für Bier und Brot 10,50 Mark und für das Abonnieren der „Zeitung für das Feuerlöschwesen“ im gleichen Jahr 2,10 Mark ausgegeben.

 

Kassenbericht und Belege liegen auch für die nachfolgenden Jahre fast vollständig vor. Der Kassenstand war jedoch selten höher als 100 Mark, waren doch die Ausgaben für Bier und Brot ganz beträchtlich.

 

Alle drei Jahre waren Neuwahlen fällig, die immer im Anschluss an eine der vier Quartalsübungen des Jahres stattfanden. 1878 wurde Josef Sailer, 1881 Josef Forster zum Hauptmann gewählt. Von 1884 bis 1890 war Georg Lederle Hauptmann, der erstmals 1885 im Kassenbuch als Kommandant unterzeichnete.

 

Der frühere Hauptmann Josef Sailer übernahm ab 1884 als Bürgermeister das Amt des Vereinsvorstandes, das er bis 1910 inne hatte.

 

Kassier war von 1881 bis 1893 Georg Maisterl. Mit einer Dienstzeit von 29 Jahren als Kommandant war Florian Erhard von 1890 bis 1919 der Kommandant mit der längsten Amtszeit in der Vereinsgeschichte. Er wurde dafür 1924 zum Ehrenkommandanten ernannt.

 

Besonders erwähnt sei auch der Kassier und Schriftführer Jakob Spicker, der dieses Amt von 1898 bis 1910 inne hatte. Ihm verdanken wir die Anlegung des Protokollbuches im Jahre 1905, ohne das die lückenlose Vereinschronik nicht möglich gewesen wäre. Auch das Inventarbuch aus dem Jahre 1910 stammt von ihm.

 

Im technischen Bereich wurde am 1. März 1897 die neue „Feuerlöschmaschine“ in Betrieb genommen, die im Gegensatz zur alten Druckspritze auch saugen konnte. Der Anschaffungspreis betrug damals immerhin schon 2.200 Mark.

 

Anlässlich der Neuwahl der „Gargen“, wie die Vorstandswahlen damals bezeichnet wurden, nahm der königliche Bauführer Schreindorfer am 15. November 1903 die jüngere Generation in einer „kernigen“ Ansprache etwas scharf ins Gebet. Diese zeige wenig Interesse an der Ausübung der Feuerwehrpflicht; der Sinn und Zweck der Sache aber ein doch so edler sei. Mit einem dreifachen „Gut Heil“ auf seine königliche Hoheit wurde die Versammlung geschlossen.

 

1905 wurde in Scheuring der Feuerwehrtag abgehalten. Der Bezirksfeuerwehrinspizent und der Leiter des Bezirksamtes waren anwesend. Nachmittags fand eine große Feuerwehrübung der Feuerwehren Scheuring, Prittriching, Beuerbach und Winkl statt, wobei die Scheuringer für ihre gute Übung allgemeine Anerkennung fand.

 

1910 – 1918: Kriegsjahre

 

Von 1910 bis 1919 leitetet der Lehrer Josef Maier als Vorstand die Geschicke des Vereines. Das Amt des Schriftführers und Kassiers bekleidete während dieser Zeit Jakob Grundler. Während der Kriegsjahre von 1914 bis 1918 war es um den Verein still geworden.

 

1918 – 1930: 50 Jahre Feuerwehr Scheuring

 

Neuer Schwung kam mit der Gargenwahl 1919 in den Verein, bei der Leonhard Lederle zum Kommandanten, Mathias Giggenbach zum Vorstand und Johann Erhard zum Schriftführer gewählt wurden. Einen enormen Anstieg der Mitgliederbeiträge von 249 Mark im Jahre 1921 auf 2.500 Mark im Jahre 1922 konnte der Kassier verzeichnen. Viel Freude hatte er darüber allerdings nicht, denn es begann die Inflation.

 

Am 25. Oktober 1928 wurde das 50 jährige Bestehen des Vereins gefeiert. Anlässlich dieser Feier führte sowohl die „alte Mannschaft“ mit Ehrenkommandanten Erhard als auch die „Jugendmannschaft“ eine Schauübung durch.

 

Im Jahre 1929 wurde auf Veranlassung des Bezirksamtes eine Wasserwehr gegründet, die Hilfestellung bei Gefährdung der Schwabstadler und der zwei Scheuringer Stauwehren leisten sollte.

 

Voll des Lobes über die Feuerwehr Scheuring, insbesondere über die Disziplin und den Geist der Wehr, war Bezirksfeuerwehrvertreter Reindl aus Utting anlässlich einer Inspizierung am 25. Mai 1930.

 

1933 – 1945: Drittes Reich

 

1933 wurde Georg Eisele zum Vorstand gewählt.

 

Dass auch für die Inspizierung 1935 durch Bezirksfeuerwehrinspektor Hagenbusch als Brandobjekt wieder die Gastwirtschaft Klarer ausgewählt wurde, war sicher nicht ohne Hintergedanken.

 

1938 löste eine Magirusspritze die alten Druckspritzen ab. Die Spritze zum Anschaffungspreis von 3.300 Mark wurde am 3. März unter Anwesenheit des Bezirksbrandinspektors Hagenbusch und des gesamten Gemeinderats in Betrieb genommen. Ab dem Jahre 1939 wurde der Kommandant in Hauptbrandmeister und ab 1943 dem Zeitgeist entsprechend in Feuerwehrführer umbenannt.

 

Am 14. Mai 1939 wurde in Scheuring der Bezirksfeuerwehrtag abgehalten. Unter den kritischen Augen des Landrates und 61 Feuerwehren erhielt die Scheuringer Feuerwehr für Exerzieren und Übung an den Geräten die Note eins. Bei einer Inspektion am 24.12.1943 ermahnte Kreisführer Emmert die noch nicht im Feld befindlichen Feuerwehrmänner beim Einsatz in bombengeschädigten Städten ihren Mann zu stellen. Am 2. Dezember 1945 wurde die männliche Feuerwehr wieder neu eingeteilt. An diesem Tag war auch die gesamte weibliche Feuerwehr angetreten. Diese hatte die im Krieg stehenden Männer gewissenhaft vertreten.

 

Nach 27 Jahren Kommandantentätigkeit übergab Leonhard Lederle sein Amt an Andreas Steer. Adjudant und Schriftführer wurde Michael Süßmair.

 

1945 – 1980: Verein „Freiwillige Feuerwehr Scheuring“ und 100 jähriges Bestehen

 

Das 75 jährige Feuerwehrjubiläum am 8. Oktober 1950 wurde mit einem feierlichen Gottesdienst und anschließender Schauübung begangen. Höhepunkt bildete ein Umzug durch die Ortschaft. An der Spitze zu Pferd Kommandant Steer, Stellvertretender Kreisbrandinspektor Häusler und stellvertretender Kommandant Süßmair, dahinter die festlich geschmückten Handdruckspritzen von 1875 und 1897 sowie die Motorspritze.

 

Im Jahre 1952 wurde das neu erbaute Feuerwehrhaus eingeweiht. Zur Feier des Tages waren Landrat Dr. Gerbl sowie die Feuerwehren aus Prittriching, Egling und Winkl erschienen. Die kirchliche Weihe nahm Pfarrer Süßmair vor. Bei einer Schauübung stellte der Hydrantentrupp sein Können unter Beweis. Am gleichen Tag konnte die gemeindliche Wasserversogungsanlage eingeweiht werden, ebenfalls ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Feuersicherheit in unserer Ortschaft.

 

Im Mai 1960 wurde Michael Sußmair zum Kommandanten und Mathias Maisterl zu seinem Stellvertreter gewählt. Mit der Stationierung eines Tanklöschfahrzeuges des Zivilen Katastrophenschutzes im Jahre 1964 wurde der örtliche Brandschutz freigestellt. Diese „Zehnjährigen“ waren seither für die Feuerwehr eine wichtige Einrichtung, mussten sie doch mehr als nur den üblichen Feuerwehrdienst verrichten, was der Feuerwehr und nicht zuletzt der gesamten Gemeinde zugute kam.

 

Am 2. Mai 1966 konnte die neue Motorspritze im Beisein von Kreisbrandinspektor Nadler in Dienst gestellt werden. Im gleichen Jahr wurde Konrad Maisterl zum Kommandanten  und Max Schweiger zum Stellvertreter gewählt. Der stellvertretende Kommandant erfüllte gleichzeitig die Funktion des Schriftführers.

 

Nach gründlicher Vorbereitung legten im August 1967 erstmals zwei Gruppen der Freiwilligen Feuerwehr Scheuring die Leistungsprüfung der Stufe I ab. Am 2. April 1969 wurde auf Anregung von Kommandanten Konrad Maisterl der Verein „Freiwillige Feuerwehr Scheuring“ erneut gegründet. In die Mitgliedschaft trugen sich 23 aktive und 3 passive Mitglieder ein. Bei den durchgeführten Neuwahlen übernahm Kommandant Konrad Maisterl auch die Aufgaben des Vorstandes. Zum Stellvertreter und Kassier wurde Max Schweiger, zum Schriftführer Hermann Müllner gewählt. Im gleichen Jahr war auf drängen der Feuerwehr nach längerer Diskussion im Gemeinderat die Feuerschutzabgabesatzung erlassen worden. Die Feuerwehrdienstpflichtigen waren aber in Scheuring schon nach 20 abgeleisteten Feuerwehrdienstjahren von der Feuerschutzabgabe befreit.

 

Anlässlich der Mitgliederversammlung am 17. April 1970 wurde Andreas Steer zum Ehrenkommandanten ernannt.

 

1972 legte eine Jugendgruppe die erste Jugendleistungsprüfung im Landkreis ab. Zu diesem historischen Ereignis waren u. a. ein Vertreter des Bayerischen Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz, sowie Landrat Müller-Hahl erschienen. Die Jugendlichen wurden auf die jeweils fünf Einzel- und Gruppenübungen von Jugendwart Hans Bieber gut vorbereitet.

 

Im Jahre 1972 wurde auf der Jahreshauptversammlung beschlossen, das 100 jährige Gründungsjubiläum der Vereins im Jahre 1975 mit einer Fahnenweihe zu begehen. Die Feuerwehrfahne wurde bei der Fa. Buri in Höchstadt zum Preis von 4.500 DM gekauft. Sie zeigte auf der Vorderseite die Kirche „St. Johann“ und auf der Rückseite den Hl. Florian in einer modernen Fassung. Den Auftakt zum Feuerwehrfest bildete ein Festabend am 14. Juni 1975 in der festlich geschmückten Turnhalle Scheuring. Neben Ansprachen von Kommandant, Bürgermeister, Kreisbrandrat und Landrat, wurden zahlreiche Feuerwehrmänner geehrt. An diesem Abend stellten sich auch erstmals die Festdamen in ihren modischen Uniformen vor.

 

Am Freitag den 27. Juni 1975 eröffnete im Bierzelt der Waitzinger Brauerei Kommandant Maisterl das Feuerwehrfest. Der Festzeltbetrieb wurde von der Feuerwehr selbst übernommen. Am darauf folgenden Samstag fand im Festzelt ein Heimatabend mit dem Trachtenverein und der Trachtenkapelle Scheuring statt. Den Höhepunkt der festlichen Tage bildete der Sonntag. Am Vormittag wurde im Rahmen eines Festgottesdienstes die neue Fahne von Pfarrer Glöckler geweiht. Fahnenbraut war Helga Baar, Fahnenjungfrauen Leni Grabmaier und Maria Baumüller, das Amt des Fähnrichs hatte Peter Sailer übernommen. Anschließend wurde der verstorbenen Feuerwehrkameraden gedacht. Am großen Festzug am Nachmittag nahmen neben den Ehrengästen zahlreiche Vereine, Feuerwehren, Festwägen und Blaskapellen teil. Der Festabend im Bierzelt wurde von der Trachtenkapelle Hurlach gestaltet. Den Festausklang am Montag bildete die Verlosung von gespendeten Preisen im Bierzelt.

 

1977 wurde im Obergeschoss des Kindergartens ein Schulungsraum ausgebaut.

 

1978 übernahm der Feuerwehrverein die organisatorische Durchführung des Volksmarsches. Bei den Neuwahlen 1979 wurde Ernst Berghofer zum Kassier gewählt.

 

1980 – 1993: Neues Löschgruppenfahrzeug 8

 

1980 ging ein lang ersehnter Wunsch der Feuerwehr in Erfüllung. Der Gemeinderat hatte sich zum Kauf eines neuen Löschfahrzeuges LF 8 zum Preis von 140.000,- DM entschlossen. Das Fahrzeug enthält alles, was eine gut ausgerüstete Feuerwehr an technischem Gerät benötigt. Der alte Tragkraftspritzenanhänger konnte für die Aufnahme des Heuwehrgerätes umgebaut werden. Die feierliche Weihe des neuen Fahrzeuges wurde am Sonntag, den 22. Juni 1980 durch Pfarrer Glöckler vorgenommen. Bei einer Schauübung wurde das neue Notstromaggregat und der Löschschaumeinsatz an einem brennenden Auto eindrucksvoll vorgeführt.

 

Für die Arbeit mit den Atemschutzgeräten musste eine Gruppe Feuerwehrkameraden ausgebildet werden.

 

Ärger bekam die Feuerwehr 1981, weil man versucht hatte, nach Einschaltung der Sirene und unter Zuhilfenahme des Tanklöschfahrzeuges die Rückholung des gestohlenen Merchinger Maibaums zu verhindern.

 

1982 wurde die Ausrüstung des Fahrzeuges um den Rettungsspreizer ergänzt, der seither bei zahlreichen Verkehrsunfällen zum Einsatz kam.

 

Bei den Neuwahlen 1984 löste Franz Maisterl Kommandant Konrad Maisterl nach 18 jähriger Tätigkeit ab. Für den bisherigen Stellvertreter Edmund Wiedemann wurde Gregor Sailer gewählt.

 

Ein neues Feuerwehrgesetz forderte eine klare Trennung zwischen der Feuerwehr als gemeindlicher Einrichtung und dem Feuerwehrverein. Es wurde daher eine Vereinssatzung als Grundlage eines rechtsfähigen Vereins und die Eintragung in das Vereinsregister beschlossen. Als Vorstand des Vereins stellte sich Konrad Maisterl weiterhin zur Verfügung. Die Aufgaben des Schriftführers übernahm Andreas Graf von Hermann Müllner.

 

1985 wurde erstmals ein Grillfest durchgeführt, das seither zum festen Bestandteil des jährlichen Vereinslebens geworden ist.

 

Im Jahre 1986 beantragte die Feuerwehr bei der Gemeinde den Neubau des Feuerwehrhauses. 1987 wurde Architekt Ruile aus Landsberg mit der Planung des neuen Gebäudes beauftragt.

 

Für das bisherige ZB-Fahrzeug wurde der Gemeinde 1988 ein neues LF 16 TS vom Landratsamt zugeteilt. Die Zuteilung war nicht problemlos, da sich auch die Gemeinde Prittriching um das Fahrzeug bemüht hatte. Auch die Unterbringung des staatlichen Fahrzeuges stellte die Feuerwehr vor Schwierigkeiten, das das alte Feuerwehrhaus nur für zwei Fahrzeuge Platz hatte. So wurde es zunächst bei Konrad Maisterl, später bei Rudolf Sailer untergebracht.

 

Da sich in den vielen Einsätzen der Feuerwehr gezeigt hatte, dass ein Tanklöschfahrzeug für den Schnelleinsatz unentbehrlich war, beschloss die Gemeinde den alten ZB Unimog zu erwerben. Gleichzeitig musste er jedoch gründlich überholt werden. Der Bestand war damit auf drei Fahrzeuge angewachsen.

 

Anlässlich der Mitgliederversammlung am 10. Februar 1989 überreichte Bürgermeister Scharf dem Vorstand und früheren Kommandanten Konrad Maisterl die Urkunde zum Ehrenkommandanten. Damit sollten die Verdienste, die sich Konrad Maisterl um die Feuerwehr erworben hatte, nochmals gewürdigt werden.

 

Im Januar 1991 fanden Neuwahlen statt. Nachdem sich sowohl Kommandant Franz Maisterl, wie auch sein Stellvertreter Gregor Sailer nicht mehr zur Wahl stellten, mussten sich die Feuerwehrmänner auf einen neuen Kommandanten einstellen. Der Nachnahme allerdings blieb gleich, nämlich Maisterl. Konrad Maisterl jun., der Sohn des Ehrenkommandanten, übernahm die Führung der Wehr. Als sein Stellvertreter wurde Horst Bentenrieder gewählt. Das Amt des Vorstandes übernahm der scheidende Kommandant Franz Maisterl von Ehrenkommandant Konrad Maisterl. Als Kassier wurde Manfred Wanner gewählt.

 

Da im Kindergarten ein weiterer Gruppenraum benötigt wurde, zog die Feuerwehr mit ihrem Unterrichtsraum ins Dachgeschoß des neuen gemeindlichen Rathauses.

 

Unter den beiden jungen Kommandanten wurde die Ausbildung weiter intensiviert. So erstellte Horst Bentenrieder umfangreiche Mustermappen für die Gruppenführer.

 

Im gleichen Jahr beschloss der Gemeinderat den Bau des neuen Feuerwehrhauses unter der Voraussetzung, dass der vorzeitige Baubeginn von der Regierung von Oberbayern genehmigt würde. Dieser vorzeitige Baubeginn konnte Ende 1991 erreicht werden, so dass den Arbeiten nichts mehr im Wege stand. Im Frühjahr 1992 begann die Fa. Ditsch mit den Rohbauarbeiten. Zuvor hatte der Feuerwehrausschuss zahlreiche Feuerwehrhäuser im Landkreis besichtigt und sich Anregungen für die Ausgestaltung des neuen Feuerwehrhauses geholt. Den Besichtigungen folgten Besprechungen mit der Gemeinde, dem Architekten und den Handwerkern. Kommandant Konrad Maisterl vertrat dabei entsprechen seinem Naturell nachhaltig seine Vorstellungen. Im Oktober 1992 konnte Richtfest gefeiert werden.

 

Im November 1992 wurde auf Initiative von Franz Maisterl am Kirchplatz erstmals ein Martinsmarkt im Anschluss an den Martinsumzug der Kinder durchgeführt. Der Feuerwehrverein errichtete dabei die Holzbuden. Der Markt wurde ein voller Erfolg.

 

Der Großbrand beim Anwesen Sailer im gleichen Jahr erinnerte wieder viele Bürger, wie notwendig eine gut ausgebildete und ausgerüstete Feuerwehr ist. Der Feuerwehr kam dabei zugute, dass das Anwesen ein Jahr zuvor Gegenstand einer Großübung war.

 

Das Jahr 1993 stand ganz im Zeichen des Feuerwehrhauses. Dabei war es für Konrad Maisterl nicht immer leicht, den Gemeinderat von seinen Vorstellungen zu überzeugen. In zahlreichen Sitzungen bemühte sich der der Gemeinderat jedoch, die zweckmäßigste Lösung zu finden. Mit insgesamt fast 2000 Arbeitsstunden beteiligten sich Feuerwehrmänner aktiv am Bau des neuen Feuerwehrhauses. Besonders die „Zehnjährigen“ wurden immer wieder verstärkt zu Arbeitsleistungen herangezogen. Im Oktober 1993 war es dann soweit, die Feuerwehr konnte in das neue Feuerwehrhaus umziehen.

 

1994 – 2004: Neues Feuerwehrhaus, Löschgruppenfahrzeug 16/12 und

 

Helfer-vor-Ort Einheit

 

Am Sonntag den 29. Mai 1994 fand die Einweihung des neuen Feuerwehrhauses statt. Gleichzeitig wurde das Landjugendheim und der gemeindliche Bauhof, beide im Untergeschoss, offiziell ihrer Bestimmung übergeben.

 

Bei strömenden Regen, wie es sich für ein Feuerwehrfest gehört, trafen sich die Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine sowie benachbarter Feuerwehren am neuen Feuerwehrhaus zum Kirchenzug. Nach dem Festgottesdienst in St. Johann nahm Pfarrer Curic im neuen Feuerwehrhaus die kirchliche Segnung vor. Wie Bürgermeister Scharf in seiner Festansprache feststellte, hatte die Gemeinde 2,2 Millionen DM in das neue Gebäude investiert, wovon ca. 1,5 Millionen auf die Feuerwehr entfielen. Stellvertretender Landrat Schöner und Kreisbrandrat Stauber gratulierten der Feuerwehr zur neuen Unterkunft. Kommandant Maisterl erinnerte an die vielen Arbeitsstunden. Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Lechreinhalle konnte das neue Gebäude besichtigt werden. Eine Fahrzeugschau, eine Fotoausstellung sowie Kaffee und Kuchen bildeten den passenden Rahmen für die gelungene Einweihungsfeier.

 

1994 wurde in Scheuring als einer der ersten Gemeinden im Landkreis mit der Truppmannausbildung begonnen, an der 12 Prittrichinger und 16 Scheuringer Kameraden teilnahmen. Die neue Ausbildung ist seither Voraussetzung für weitere Lehrgänge an den Feuerwehrschulen.

 

1996 konnte nach längerer Zeit wieder eine Jugendgruppe zusammengestellt werden, die in der Generalversammlung am 14. Februar vom Kommandanten per Handschlag verpflichtet wurde. Die von Jugendwart Robert Maisterl betreute Gruppe legte in ihrer zweijährigen Ausbildungszeit die Jugendleistungsprüfung sowie die Truppmannprüfung ab.

 

Bei den Neuwahlen 1997 legte Franz Maisterl sein Amt als Vorstand nieder. Kommandant Konrad Maisterl würdigte die Verdienste von Franz Maisterl. Bei den anschließenden Neuwahlen wurde Kommandant Konrad Maisterl auch zum Vereinsvorstand gewählt. Für den ausscheidenden Horst Bentenrieder übernahm Jürgen Pfänder die Aufgabe des 2. Kommandanten. Michael Schamberger löste Manfred Wanner als Kassier ab. Erst ein Jahr später konnte der Posten des 2. Vorstandes mit Werner Riedmaier wieder besetzt werden.

 

1997 wurde das in Scheuring stationierte ZB Fahrzeug wieder abgezogen. Der Abzug war nicht sehr feierlich, hatte man sich doch bis zuletzt dagegen gewehrt.

 

1998 fand in Scheuring wieder ein Faschingsumzug statt. Mit einem originalgetreu nachgebauten Ferrari F1-Wagen samt Boxencrew sorgte die Feuerwehr für Aufmerksamkeit. Im Frühjahr wurde die alte TS8 durch eine neue Tragkraftspritze ersetzt.

 

Nach einer knappen Entscheidung im Gemeinderat wurde die Neuanschaffung eines LF 16/12 beschlossen. Nach vielen Besichtigungen, eingehender Beratung und Diskussion wurde schließlich die endgültige Version des neuen Fahrzeuges gefunden. Das neue Fahrzeug mit MAN Unterbau wurde am 3. September 1998 von einer kleinen Delegation in Gingen abgeholt. Auf der Rückfahrt kam es bei einem Autounfall bereits zum ersten Einsatz. Anschließend begann die Einübung am neuen Fahrzeug und der ersten Ausstattung. Diese Ausrüstung garantiert seither den noch schnelleren Einsatz bei technischer Hilfeleistung.

 

Am Sonntag den 25. April 1999 wurde die kirchliche Weihe des neuen LF 16/12 durch Pfarrer Wagner vorgenommen. Der Kauf sei dem Gemeinderat nicht leicht gefallen, betonte Bürgermeister Scharf bei seiner Ansprache. Kreisbrandrat Stauber gratulierte der Feuerwehr zum euen Fahrzeug, Kommandant Konrad Maisterl bedankte sich beim Geimeinderat für die zukunftsweisende Entscheidung. Nach der Weihe zog man angeführt von der Trachtenkapelle Scheuring zum Mittagessen in die Lechreinhalle. Am Nachmittag hatten alle Interessenten Gelegenheit das Fahrzeug zu besichtigen.

 

Eine weitere bedeutende Änderung brachte die Einführung des Gleichwellenfunkes auf Landkreisebene für die Alarmierung der Feuerwehr. Im Kirchturm wurde eine Relaisstation untergebracht. Seither gibt es in Scheuring keine Probleme mehr mit der Alarmierung und Funkverbindung.

 

Mit der 1999 beschlossenen Anschaffung von Funkpiepsern begann daneben für die betroffenen Kameraden eine neue Form der Erreichbarkeit. Die Piepser sollten mittelfristig die Alarmierung per Sirene ersetzen.

 

An Ostern 1999 sorgte ein Brandstifter auf Gut Lichtenberg für Aufregung. An vier hintereinander folgenden Tagen hatte er in Stall und Scheune Brände gelegt, zu denen die Scheuringer Wehr ausrücken musste. Der Brandstifter konnte kurze Zeit später überführt werden. Auch eine Jugendgruppe konnte wieder zusammengestellt werden, die von Robert Maisterl betreut wurde.

 

Bei der Generalversammlung am 10. März 2000 wurde Markus Schamper zum Nachfolger von Jürgen Pfänder als 2. Kommandant gewählt.

 

Vom 26. bis 29. Mai 2000 feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 125 jähriges Gründungsjubiläum. Gemeinsam mit der Trachtenkapelle, die seit 40 Jahren besteht und der Landjugend die ihr 20 jähriges feierte, wurde ein gemeinsames Festprogramm gestaltet. Zuvor hatte die Feuerwehr am Freitag den 29. April 2000 in der Lechreinhalle einen Festabend durchgeführt. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Trachtenkapelle. Vor zahlreichen Ehrengästen zeigte Kommandant Konrad Maisterl die Entwicklung in den 125 Jahren des Bestehens auf und legte den heutigen Ausrüstungsstand der Feuerwehr dar „vom einfachen Löschkübel zum hochmodernen Löschzug“. Glückwünsche der Gemeinde überbrachte der Schirmherr Bürgermeister Walter Scharf. Andreas Graf gab einen amüsanten Rückblick über die Vereinsgeschichte.

 

Im Namen der Kreisbrandinspektion dankte Kreisbrandrat Fritz Stauber für die Arbeit der Feuerwehr. Anschließend ehrte er Edmund Wiedemann und Georg Schweiger für 40 jährigen aktiven Dienst in der Feuerwehr mit dem goldenen Ehrenzeichen der Freistaates Bayern. Mit einer Showeinlage der Jugendgruppe und der Bayernhymne endete der offizielle Festabend.

 

Die Festtage begannen am 26. Mai mit einem Marsch der Vereine zum Festzelt und dem Bieranstich durch Schirmherrn Walter Scharf. Höhepunkt des Abends war ein Saugschlauchkuppelwettbewerb zwischen 9 Mannschaften, bei dem die Scheuringer Gruppen Platz 1 und 2 belegten.

 

Der Festsonntag begann mit Weckruf, Kirchenzug vom Gasthaus Klarer zum Festzelt, den Pfarrer Wagner zelebrierte. Höhepunkt der Festtage war der Festumzug durch die Ortschaft. 62 Gruppen, unter ihnen 36 Feuerwehrvereine sowie 10 Musikkapellen und 7 Festwagen zogen als 1200m lange Phalanz durch die fahnengeschmückten Straßen der Gemeinde. Am Abend sorgten die Hurlacher Dorfmusikanten für eine Bombenstimmung im Festzelt. Zum Festausklang am Montag spielten die Kapellen von Kaufering, Prittriching, Schmiechen und Walleshausen, die zuvor in einem Sternenmarsch zum Zelt marschierten.

 

Am 01. Mai 2003 wurde von der Feuerwehr zusammen mit dem Trachtenverein der Maibaum mit der Hand aufgestellt.

 

Bei der Generalversammlung 2004 wurde zum 1. Vorstand Max Schweiger gewählt, der Konrad Maisterl von diesem Amt ablöste. Andreas Graf wurde von Manuel Pfänder als Schriftführer abgelöst.

 

Ende 2004 gründete die Feuerwehr Scheuring, zusammen mit dem Roten Kreuz Kreisverband Landsberg am Lech, eine Helfer-Vor-Ort Einheit. Diese sollte das sogenannte therapiefreie Intervall zwischen Notruf und Eintreffen des Rettungsdienstes verkürzen.

 

2005 – jetzt: Wachstum und First Responder

 

Im Frühjahr 2006 wurde die Gemeinde Scheuring von einem spektakulären Hochwasser heimgesucht. Durch den lang anhaltenden Winter war der Boden so tief gefroren, das er  bei der einsetzenden Schneeschmelze kein Wasser aufnehmen konnte. Das Wasser floß von höhergelegenen Feldern zusammen und bahnte sich seinen Weg durch Scheuring. Etliche Keller liefen mit Wasser voll, dennoch konnte ein größerer Schaden vermieden werden. Das Wasser lief insgesamt fünf Tage fast ununterbrochen durch die Gemeinde. In diesen Tage wurden von der Feuerwehr 1361 Einsatzstunden geleistet.

 

Ende 2006 wurde als Ersatz für den Unimog, der 2005 außer Dienst genommen wurde, ein Mehrzweckfahrzeug beschafft. Dieses Fahrzeug soll vor allem der Jugend zu gute kommen und Feuerwehrangehörige zu Lehrgängen und Schulungen transportieren.

 

Am 01. Mai 2007 wurde der Maibaum zum zweiten mal von der Feuerwehr und dem Trachtenverein mit der Hand aufgestellt. Nachdem 2003 die Feuerwehr zum ersten mal beim aufstellen des Maibaums beteiligt war, wurde seitdem jedes Jahr am 01. Mai ein Maibaumfest veranstaltet.

 

Im August 2010 übernahm die Feuerwehr Scheuring vollständig die, 2004 gegründete, HVO-Gruppe. Diese übernahm fortan ihren Dienst unter dem Namen „First Responder“ und wurde nur über Spenden und die Gemeinde Scheuring finanziert. Diese zählte 2015 bereits 22 Mitglieder, davon 17 Sanitäter, 2 Rettungssanitäter und 3 Rettungsassistenten.

 

Am 12.04.2013 legte Konrad Maisterl jun., nach 22 Jahren Dienstzeit, sein Amt als Kommandant nieder. Als sein Nachfolger wurde Manuel Pfänder von den wahlberechtigen Mitgliedern einstimmig zum neuen Kommandanten gewählt. Die Nachfolge von Manuel Pfänder als Schriftführer übernahm Roland Knauer. Konrad Maisterl jun. zu Ehren wurde am 20.10.2013 ein Weinfest von der Feuerwehr Scheuring ausgerichtet. Dort wurde er für seine lange Dienstzeit geehrt und von der Gemeinde Scheuring zum Ehrenkommandant ernannt.